weltwasserwoche 2009

Wassermangel trifft Kinder am härtesten

17.08.09 - Der Mangel an sauberem Trinkwasser hat vor allem für die Kinder in den ärmsten Ländern tödliche Folgen. Nach Angaben von UNICEF sterben täglich 4.500 Kinder in Entwicklungsländern durch schmutziges Wasser und mangelnde Hygiene. Zwar haben mittlerweile 87 Prozent der Weltbevölkerung Zugang zu trinkbarem Wasser, doch fast eine Milliarde Menschen weltweit sind immer noch nicht ausreichend versorgt. Besonders schlecht ist die Situation in Afrika südlich der Sahara.

Vom 16. bis 22. August treffen sich internationale Experten und Entscheidungsträger zur jährlichen Weltwasserwoche, die vom Stockholmer Internationalen Wasserinstitut veranstaltet wird. UNICEF leitet bei der Konferenz mehrere Seminare zu Themen wie sanitäre Versorgung in Schulen und zu Durchfallerkrankungen.

„Wassermangel trifft Kinder am härtesten. Wir brauchen größere Anstrengungen, um das Überleben von Millionen Mädchen und Jungen zu sichern“, sagte UNICEF-Geschäftsführerin Regine Stachelhaus. „Der Klimawandel verschärft die Wasserknappheit in den ärmsten Regionen der Erde. Regierungen müssen besser dafür sorgen, dass trinkbares Wasser als Allgemeingut auch den ärmsten Bevölkerungsschichten zur Verfügung steht.“

UNICEF hat 2008 seine Aktivitäten zur Verbesserung der Versorgung mit Trinkwasser und sanitären Einrichtungen von bislang 90 auf über hundert Länder ausgedehnt. Schwerpunkte ist die Hygieneaufklärung, eine bessere Versorgung entlegener ländlicher Regionen und die Ausstattung von Schulen mit sanitären Anlagen. Wie es im UNICEF-Jahresbericht zu den Aktivitäten in den Bereichen Wasser, sanitäre Anlagen und Hygiene (WASH) heißt,  haben die  Maßnahmen zur Versorgung mit Trinkwasser im Jahr 2008 24 Millionen Menschen erreicht. 15,9 Millionen Menschen wurde in akuten Notsituationen nach Naturkatastrophen oder Krisen mit Trinkwasser geholfen; 8,1 Millionen durch Entwicklungsprogramme. Mit Maßnahmen zur besseren sanitären Ausstattung erreichte UNICEF 2008 13 Millionen Menschen.

Fortschritte trotz großer Hindernisse

Seit 1990 hat sich die Versorgung mit Trinkwasser deutlich verbessert. Aktuell haben 5,7 Milliarden Menschen sauberes Trinkwasser; das sind 1,6 Milliarden mehr als noch 1990. Doch in den vergangenen Jahren haben Wirtschaftskrisen und zunehmende Naturkatastrophen Millionen Menschen, insbesondere Frauen und Kinder, hart getroffen und oft von jeder Versorgung abgeschnitten. So hatten 2008 rund 884 Millionen Menschen nicht genügend Trinkwasser, rund 340 Millionen von ihnen leben in Afrika südlich der Sahara.

Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Wassermangel und Armut: die Zahl der Menschen ohne ausreichende Trinkwasserversorgung deckt sich in etwa mit der Zahl derer, die von einem Einkommen von unter 1,25 US-Dollar pro Tag leben müssen.

Sanitäre Einrichtungen fehlen

Noch größere Defizite gibt es bei der Versorgung mit sanitären Anlagen. 2,5 Milliarden Menschen müssen ohne ausreichende sanitäre Einrichtungen auskommen. Darunter sind  1,2 Milliarden Menschen, die ihre Notdurft ausschließlich im Freien verrichten müssen - oft an öffentlich zugänglichen und einsehbaren Plätzen. Zwar ist seit 1990 der Anteil der Menschen, denen selbst einfache Latrinen fehlen, von 31 Prozent im Jahr 1990 auf 23 Prozent in 2006 gesunken. Doch vor allem in Südasien und im südlichen Afrika bestehen nach wie vor die größten Probleme. Das Millenniums-Entwicklungsziel, bis zum Jahr 2015 die Zahl der Menschen ohne sanitäre Grundversorgung zu halbieren, ist noch in weiter Ferne. Denn seit 1990 ist die Weltbevölkerung um über eine Milliarde auf heute 6,8 Milliarden gewachsen. Die Vereinten Nationen schätzen, dass die Weltbevölkerung jährlich um rund 80 Millionen Menschen wächst. 90 Prozent dieses Wachstums findet in Entwicklungsländern statt, in denen Trinkwasser häufig knapp ist und sanitäre Einrichtungen fehlen.  

Gefahr in Notsituationen

Zahlreiche Krankheiten gehen auf ungeklärte Abwässer und fehlende Latrinen zurück. Besonders hoch ist das Gesundheitsrisiko überall dort, wo viele Menschen auf engem Raum leben - wie in den Slums der Megastädte und in Notunterkünften, die nach Naturkatastrophen oder in Kriegssituationen aufgebaut werden. So breiten sich in Flüchtlingslagern Darmkrankheiten wie Durchfall oder Cholera sowie Wurmerkrankungen sehr schnell aus.

So hilft UNICEF

Die meisten Schulen in Entwicklungsländern haben weder sauberes Trinkwasser noch sanitäre Einrichtungen. Oft gibt es in Schulen überhaupt keine Toiletten. Dies gefährdet die Gesundheit der Schüler und hält vor allem viele Mädchen ganz vom Schulbesuch ab. UNICEF hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, bis 2015 alle Grundschulen mit getrennten Toiletten für Mädchen und Jungen und Handwaschbecken auszustatten. Im Schulunterricht und mit breiten Aufklärungskampagnen wird die Hygieneerziehung gefördert.

Mit einfachen Maßnahmen wie Händewaschen mit Wasser und Seife kann die Zahl der  Durchfallerkrankungen nahezu halbiert werden. Für Kinder ist Durchfall die zweithäufigste Todesursache. Im Jahr 2008 konnte UNICEF die Hygienesituation in mehr als 20.000 Schulen in Südasien und in Afrika südlich der Sahara verbessern. 4,2 Millionen Kinder  profitierten von diesen Maßnahmen. Weit mehr als zehn Millionen Menschen wurden mit breit angelegten Aufklärungskampagnen zu lebenswichtiger Hygiene erreicht.

Vor allem in entlegenen ländlichen Regionen zum Beispiel in Äthiopien oder im Südsudan hilft UNICEF beim Bau von Brunnen, Handpumpen und Wasserleitungen. Dabei setzt UNICEF auf robuste und einfach zu wartende Technik. Geschult von UNICEF halten die Dorfbewohner selbst ihre Anlagen instand.

Die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und einfachen Latrinen ist fester Bestandteil der UNICEF-Nothilfeprogramme. So hat UNICEF nach der Überschwemmungskatastrophe in Myanmar Wasseraufbereitungsanlagen installiert, die über 15.000 Menschen mit Trinkwasser versorgen. An Schulen und Gesundheitszentren hat UNICEF große Regenwasser-Sammeltanks aufgebaut. Über 1.200 Schulen wurden mit hygienischen Latrinen ausgestattet.