schutz vor gewalt - infos I/II

Panoramabild "Schutz vor Gewalt"

Sasha, 5, und seine Schwester Nastya, 4, leben in einer staatlichen Einrichtung in einem Dorf in der Nähe von Kiev, Ukraine. Sasha musste miterleben, wie sein Vater seine Mutter ermordete. Fotograf: UNICEF/Pirozzi

Was ist Gewalt?

Von Gewalt wird gesprochen, wenn jemand seine Stärke oder seine Macht ausnutzt, um einem anderen absichtlich wehzutun. Gewalt ist mehr als schlagen, treten oder mit einer Waffe verletzen. Zur Gewalt zählen auch Gewaltandrohungen und Handlungen, die der Seele, dem Körper, der allgemeinen Gesundheit und dem Wohlbefinden einer Person zugefügt werden. Auch wer andere mit Worten und Gesten quält, übt Gewalt aus.

Gewalt gegen Kinder ist überall

LupeStraßenkinder aus Pakistan

Schläge, körperliche und seelische Misshandlungen und Vernachlässigungen von Kindern gibt es in allen Ländern dieser Erde. Gewalt gegen Kinder kommt in allen Kulturen und allen sozialen Schichten vor, in armen und reichen, gebildeten und ungebildeten Familien. In Entwicklungsländern ist aber die Gefahr für Kinder misshandelt zu werden doppelt so hoch wie in Industrieländern. Am größten ist die Gefahr für Jungen zwischen 15 und 17 Jahren und für Kleinkinder unter vier Jahren. Benachteiligte Kinder sind besonders gefährdet. Dazu zählen behinderte Kinder, Kinder aus ethnischen Minderheiten, Straßenkinder, Kinder in Gefängnissen sowie Flüchtlings- und Migrantenkinder.

Kindermisshandlungen sind sehr häufig mit Armut, Stress und Isolation der Eltern verbunden – verstärkt durch Alkohol- und Drogenmissbrauch. Es gibt aber auch einen Zusammenhang zwischen der Gewalt gegen Kinder und der allgemeinen Verbreitung von Gewalt in einer Gesellschaft. In den Ländern mit den wenigsten Kindestötungen gibt es auch die wenigsten Morde unter Erwachsenen.

Gewalt bleibt häufig verborgen

Obwohl viele Länder Maßnahmen ergreifen, um die Kinder vor Gewalt zu schützen, findet Gewalt immer noch statt und wird nicht immer gemeldet. Es gibt viele Gründe, warum ein Großteil im Verborgenen bleibt. Zum Beispiel: Gewalt gegen Kinder wird immer noch als „normal“ angesehen. Bestrafungen durch Schläge, Anschreien, Essensentzug sind „Erziehungsmaßnahmen“. Das gilt für manche Familien ebenso wie für Schulen, Heime oder Gefängnisse. Wie verbreitet diese Meinung ist, zeigt die Tatsache, dass bis heute über 100 Staaten die Prügelstrafe in der Schule nicht ausdrücklich verboten haben. Nur in 16 Ländern, darunter Deutschland, haben Kinder per Gesetz das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung.

Viele Kinder sprechen nicht über ihre Misshandlungen, weil sie sich schämen. Oft wird die „Ehre“ der Familie oder Gemeinschaft wichtiger genommen als das Wohlergehen der Kinder. Die Kinder haben dann Angst, über die erlittene Gewalt zu berichten, und befürchten, dass ihnen die Schuld dafür gegeben wird. Besonders häufig kommt das bei sexueller Gewalt vor. In manchen Ländern werden die missbrauchten Kinder, zum Beispiel vergewaltigte Mädchen, bestraft oder geächtet und nicht die Täter. Aber Kinder sind niemals Schuld, wenn sie sexuell missbraucht werden.

Die Angst der Kinder ist der Hauptgrund, wenn sie Gewalttaten verschweigen. Manchmal wissen sogar Familienangehörige davon, aber auch sie schweigen aus Angst. Denn oft ist der Gewalttäter ein Familienmitglied, ein Chef, ein führender Vertreter der Gemeinschaft oder in manchen Ländern sogar ein Polizeibeamter, der ja eigentlich helfen sollte.

Gewalt wird nicht gemeldet

Manchmal können sich Kinder keinem Menschen anvertrauen. In vielen Ländern trauen die Menschen der Polizei und den Behörden nicht. In ländlichen Regionen gibt es manchmal keine Stellen, an die Kinder sich wenden können. Und selbst wenn Gewalttaten angezeigt werden, wird nichts oder nicht genug dagegen unternommen. Das trifft besonders für Gefängnisse, aber auch für Waisenhäuser und andere Heime zu.

Die Folgen der Gewalt

LupeKinder sind gegen Gewalt hilflos

Die Auswirkungen auf ein Kind sind abhängig von Art und Schwere der Gewalt, die es erleiden musste. In schlimmen Fällen von körperlicher Gewalt bleiben lebenslang körperliche Behinderungen zurück. Genauso schlimm sind aber auch die seelischen Behinderungen. Frühe Gewalterfahrungen ziehen lebenslange Beeinträchtigungen nach sich: bei der Entwicklung der Gefühle, des Verstandes und der Beziehungen zu anderen. Die Kinder neigen später häufig zu Alkohol- und Drogenkonsum oder suchen frühzeitig sexuelle Beziehungen. Folgen können auch Angstzustände, Depressionen, mangelnde Leistungsfähigkeit in Schule und Beruf und aggressives Verhalten sein. Gewalt zieht Gewalt nach sich. Wer als Kind ein Opfer war, übt häufig selbst Gewalt aus.

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30. Juni 2011: Kinder vor Gewalt schützen

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Kinder benötigen besonderen Schutz und haben deshalb auch besondere Rechte. Alles über die "Konvention über die Rechte des Kindes" und viele Informationen zu dem Thema findest Du auf den younicef-Kinderrechte-Seiten.

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Englischsprachige Informationen zum Kinderrecht auf Schutz vor Gewalt findest Du auf der Seite der UN-Sonderbeauftragten zu Gewalt gegen Kinder

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