schutz vor gewalt - storys

Panoramabild "Schutz vor Gewalt"

Sasha, 5, und seine Schwester Nastya, 4, leben in einer staatlichen Einrichtung in einem Dorf in der Nähe von Kiev, Ukraine. Sasha musste miterleben, wie sein Vater seine Mutter ermordete. Fotograf: UNICEF/Pirozzi

Die Kinder von Nandrolli (Indien)

Der Alkoholmissbrauch war für die Kinder in Nandrolli, einem kleinen Dorf in Indien, ein großes Problem. Arrak, ein in dieser Gegend hergestellter Schnaps, wurde nicht nur in den Läden, die die Genehmigung dazu hatten, sondern auch in Gemüse- und Lebensmittelgeschäften, vom Fahrrad und unter den Bäumen verkauft. Die Kinder fürchteten sich auf ihrem Schulweg vor den Belästigungen und den Bedrohungen durch betrunkene Erwachsene. Der Dorfrat der Kinder, der von Bhima Sangha (einer Gewerkschaft für arbeitende Kinder) und der Organisation „Sorge um arbeitende Kinder“ eingesetzt wurde, trug der Kommunalverwaltung die durch den Alkoholmissbrauch verursachten Probleme vor, die im Dorf unter anderem mangelnde Sicherheit, Gewalt zu Hause, Einkommensverluste, fehlendes Geld für Unterrichtsgebühren und Bücher, Behinderungen beim Lernen, unzureichende Ernährung, Ärgern von Seiten der Gemeinschaft wegen der Alkoholsucht der Eltern, Gesundheitsproblemen und fehlendes Geld für die medizinische Versorgung verursachten. Die anwesenden
Erwachsenen weigerten sich jedoch, das Problem als solches zu erkennen und etwas dagegen zu tun.

Die Kinder beschlossen, dass sie den Verantwortlichen in der Kommunalverwaltung irgendwie „die Augen öffnen“ mussten. Der erste Schritt war das Sammeln von Informationen: Im Rahmen der Aktion „Sauberes Dorf “ sammelten sie eine Woche lang leere Arrak-Verpackungen, die in der Nähe der Läden herumlagen. Sie stellten fest, dass jeden Tag durchschnittlich 300 Arrak-Pakete ausgetrunken wurden. Dann stellten sie folgende Berechnung an: ein Arrak-Paket kostet 11 Rupien. 300 Pakte kosten 3.300 Rupien. Das ergab 99.000 Rupien im Monat und 11.880.000 Rupien im Jahr – viel Geld für ein kleines Dorf. Die Kinder veröffentlichten ihre Ergebnisse bei den Feiern zum Unabhängigkeitstag. Die Mitglieder der Kommunalverwaltung und die Gemeinde waren über die Informationen und die Höhe des ausgegebenen Geldes entsetzt. Sie schämten sich auch, dass sie nicht eher etwas gegen dieses Problem getan hatten und dass die Kinder sie darauf aufmerksam machen mussten. Die Gemeinde forderte die Behörden auf, etwas zu unternehmen. Heute gibt es in Nandrolli keine Geschäfte, in denen Alkohol verkauft wird.

(aus: Unser Recht auf Schutz vor Gewalt. Übungen zur Wissensvermittlung und Planung von Aktionen für Kinder und Jugendliche, Auswärtiges Amt)

Mit eigenen Worten

Zitate und Berichte von Kindern und Jugendlichen

„Man nimmt ihnen die Kindheit, wenn man sie zwingt, von Kindesalter an zu arbeiten und sich auf der Straße durchzuschlagen. Sie haben keine Zeit für ihr eigenes Leben. Wenn sie in der Schule sein sollten, müssen sie arbeiten gehen, sie können nicht spielen und sind durch Beschimpfungen und Aggressionen, die sie überall erleiden, traumatisiert.“
Gruppe von Heranwachsenden, Lateinamerika

„Mein Vater hat mich an einen Baum gebunden und vor allen Nachbarn geschlagen, weil ich mit meinem Cousin Karten gespielt habe. Jetzt werde ich von allen Nachbarn deshalb gehänselt, und das ist schlimmer als die Prügel.“
Junge, Südasien

„Ich hasse die Kinderehe. Ich wurde sehr jung verheiratet, und meine Schwiegereltern zwangen mich, mit meinem Mann zu schlafen. Er ließ mich die ganze Nacht leiden. Seitdem fürchte ich mich vor jeder Nacht und davor, dass es wieder geschieht. Das hasse ich am meisten.“
Mädchen, 11, mit 5 verheiratet, östliches und südliches Afrika

„Mein Lehrer unterrichtet in Oriya (eine lokale Sprache), das ich nicht verstehe. Wenn er mich etwas fragt, kann ich nicht antworten, weil ich nicht verstanden habe, was er gesagt hat. Deshalb misshandelt er mich und schlägt mich jeden Tag mit dem Tafelschwamm.“
Mädchen eines Stammes, 9, Südasien

„Als mein Vater meine Schwester einmal nicht von der Schule abholen konnte, musste sie allein nach Hause gehen. Auf dem Nachhauseweg wurde sie von vier Jungen angefasst und betatscht. Sie konnte mit meinem Vater nicht darüber sprechen, sondern hat es mir gesagt. Aber selbst ich konnte es meinem Vater nicht erzählen.“
Mädchen, Südasien

„Ich schlafe nachts in einem eigenen Zimmer, und der männliche Eigentümer des Hauses klopft an meine Tür. Ich bin in einer brenzligen Lage. Ich habe Angst, ihn anzuzeigen,
weil ich dann meine Arbeit verliere. Ich habe beide Eltern verloren und möchte diese Arbeit nicht aufgeben.“
Mädchen, 12, Hausangestellte, östliches und südliches Afrika

„Ich habe Angst, zur Schule zu gehen. Ich habe Angst vor Entführern, und die Jungen hänseln die Mädchen, aber wenn ich das meinen Eltern erzähle, dann darf ich nicht mehr zur Schule gehen.“
Mädchen, 8, Südasien

extras

news-thema

30. Juni 2011: Kinder vor Gewalt schützen

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