gewalt im internet
Jugendliche im Internet in Malaysia | Foto: UNICEF/MLYA2006-00007/Indra Nadchatram

Formen der Gewalt im Internet

Cyber-Mobbing - ein ernstes Thema

Anders als bei ihren Altersgenossen in den Entwicklungs- und Schwellenländern gehören das Internet (und damit zusammen hängend die sozialen Netzwerke wie Facebook, schülerVZ, Weblogs etc.) sowie Mobiltelefone in den Industrieländern für die meisten Kinder und Jugendlichen zum Alltag. In den 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union nutzen heute beispielsweise 75 Prozent aller Kinder zwischen sechs und 17 Jahren das Internet. In Deutschland sind mittlerweile 56 Prozent der 6- bis 10-Jährigen, 88 Prozent der 11- bis 14-Jährigen und 94 Prozent der 15- bis 17-Jährigen online. Insbesondere bei jüngeren Kindern wächst der Anteil der Internet-Nutzer.

Gewaltrisiken im Internet

Obwohl Kinder aus benachteiligten Familien seltener Zugang zum Internet haben als ihre Altersgenossen aus besser gestellten Familien, werden ihre „Online-Risiken“ höher eingeschätzt. Auch geschlechtsspezifisch scheint es Unterschiede zu geben: So gehen Jungen stärker als „Akteure“ Risiken ein, während Mädchen eher als „Rezipienten“ oder „Teilnehmer“ betroffen sind. Mobiltelefone und Digitalkameras ermöglichen es, Mobbing und Belästigung vom Schulhof ins Netz zu tragen und andere dort regelrecht an den Pranger zu stellen. Auch wenn Eltern zuallererst für die Sicherheit ihrer Kinder verantwortlich sind, zeichnet sich doch ab, dass vielen die Online-Aktivitäten ihrer Kinder nicht bewusst sind oder sie keine Möglichkeit sehen, diese zu kontrollieren.

Eine Auswertung von Studien aus ganz Europa zeigt, dass ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen Risiken im Netz ausgesetzt ist:

  • Jeder zweite Heranwachsende offenbart persönliche Informationen im Netz.
  • Vier von zehn Kindern und Jugendlichen in Europa sagen, dass sie mit Pornografie im Netz konfrontiert wurden.
  • Jeder Dritte hat „Hass-Seiten“ oder Seiten mit gewalttätigen Inhalten gesehen.
  • Einer von fünf oder sechs Heranwachsenden sagt, dass er oder sie schon einmal im Netz gemobbt oder belästigt wurde.
  • Viele haben auch ungewollte sexuelle Kommentare erhalten (in Deutschland jeder zehnte Jugendliche; in England sogar jeder dritte).
  • Etwa neun Prozent sagen, dass sie eine Person, die sie im Internet kennen gelernt haben, auch real getroffen haben.

Was können Eltern und Lehrer tun?

Am wichtigsten ist die offene Ansprache des Themas in der Familie oder in der Schule. Den Kindern sollte vermittelt werden, dass sie sich mit ihren Sorgen und Problemen vertrauensvoll an Eltern und Lehrer wenden können. Die Nummer gegen Kummer hat sogar ein Elterntelefon eingerichtet, für Hilfe suchende Erwachsene.

Infos erhalten Eltern und Lehrer außerdem auch von der Initiative "Datenschutz geht zur Schule". Das Ziel der Initiative: Schülern sollen klare und einfache Verhaltensregeln für den sensiblen Umgang mit ihren persönlichen Daten im Netz nähergebracht werden. 

Handbuch „Sex und Gewalt in digitalen Medien“

Mit Übungen für den Unterricht und die Jugendarbeit (2012)
Das Handbuch (PDF) führt Lehrende, Pädagogen und andere Personen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, an das Thema heran, um entsprechend präventive Maßnahmen im Unterricht oder in der Jugendarbeit einsetzen zu können.

Weitere wichtige Punkte zum Schutz von Kindern gegen Gewalt im Internet sind:

  • Kompetenz-Aufbau: Angesichts der zunehmenden Online-Nutzung von Kindern und Jugendlichen muss die Medienkompetenz bei Heranwachsenden wie bei Eltern verstärkt werden. Insbesondere Kinder aus benachteiligten Familien sollten dabei unterstützt werden, einen positiven Umgang mit der Online-Welt zu lernen.
  • Vertrauliche Beschwerdemöglichkeiten für Kinder und Jugendliche müssen ausgebaut und bekannt gemacht werden.
  • Angemessene Regeln des Umgangs im Netz müssen trainiert werden. Denn Kinder können im Internet nicht nur Opfer werden – sie können auch selbst zu negativen Handlungen ermutigt werden und andere online drangsalieren.
  • Das Wissen und die Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen über das Netz sollten bei der Entwicklung solcher Regeln einbezogen werden.
  • Der Umgang von Kindern mit Risiken im Netz muss genauer erforscht werden – zum Beispiel ihre Reaktion auf problematische Inhalte (wie Aufrufe zum Selbstmord, Bulimie oder Gewalt) oder die besonderen Gefahren, denen gerade benachteiligte Kinder ausgesetzt sind.
  • Kinderschutz im Netz: Die Diskussion um Kinder- und Jugendschutz im Netz muss verstärkt werden.

Quelle:  UNICEF-Information Gewalt gegen Kinder (PDF)