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John bricht früh morgens auf zur Müllhalde | Foto: UNICEF/Kun Li

John aus Kenia

Das Leben in einem Slum

Nairobis größte Müllhalde ist Johns Arbeitsplatz | Foto: UNICEF/Kun Li
LupeNairobis größte Müllhalde ist Johns Arbeitsplatz

Wenn sich andere Jugendliche aus dem Slumviertel Korogocho in Nairobi morgens in aller Frühe auf den Weg in die Schule machen, bricht auch John Kinyanjui (15) auf – zur größten Müllhalde der Stadt, seinem Arbeitsplatz.

Man kann John zwischen all den jungen Männern, Frauen und Kindern hier nur schwer ausfindig machen. Rund 2.000 Menschen verdienen sich auf der Müllhalde ihren Lebensunterhalt. Keiner von ihnen hat sicheres Schuhwerk oder Schutzkleidung, auch keine Handschuhe oder Masken. Ihre wichtigste Ausrüstung sind ein Haken zum Angeln des Mülls und ein Leinensack, in dem die Ausbeute transportiert wird.

„Ich suche nach Plastik, Kleidung, Schuhen… nach allem, das sich weiterverkaufen lässt“, erzählt John. Die Fundstücke werden Recyclingfirmen angeboten oder aufpoliert und auf der Straße wieder verkauft. An guten Tagen verdient John damit knapp 2 Euro.

Im Slum von Korogocho leben Hunderttausende Menschen ohne sanitäre Grundversorgung und Strom | Foto: UNICEF/Kun Li
LupeIm Slum von Korogocho leben Hunderttausende Menschen ohne sanitäre Grundversorgung und Strom.

Vor zwei Jahren hat der 15-Jährige die Schule abgebrochen. Für den Besuch der Grundschule fallen zwar keine Gebühren an, aber die Kosten für die Schuluniform und das Schulmaterial konnte seine Mutter nicht mehr aufbringen. Sie verkauft Weizenfladen auf der Straße und hat ihre zwei Kinder sowie vier Enkelkinder zu versorgen. Ihr größter Wunsch ist es, dass John wieder zur Schule gehen kann. Aber für John ist die Müllhalde längst wichtiger geworden als der Schulunterricht.

John Webootsa, Priester und Lehrer im Slumviertel, beklagt, dass jedes dritte Kind in Korogocho nicht zur Schule geht. „Diese Kinder laufen Gefahr, in die Kriminalität, Prostitution oder das Drogenmilieu abzurutschen. Viele arbeiten letztendlich auf der Müllhalde, um etwas Geld zum Überleben zu verdienen.“   

Die über 130.000 Bewohner von Korogocho – genaue Zahlen gibt es für die illegale Siedlung nicht – haben keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen und keinen Strom. Zwischen den schmalen Wegen und den Hütten dümpeln Abwasserkanäle mit Unrat und Müll vor sich hin. Eine funktionierende Gesundheitsversorgung gibt es nicht. Sauberes Trinkwasser ist rar. Fast die Hälfte aller Kinder weltweit wachsen in Städten auf. Und so wie der 15-jährige John aus Korogocho lebt jedes dritte von ihnen in einem überbevölkerten Slum.

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kenia

Einwohner: 41 Millionen (Stand Juli 2011; Vergleich Deutschland: ca. 82 Millionen)

Größe: 580.367 km² (Vergleich Deutschland: 357.111 km²)

Landessprache: Englisch, Kiswahili und zahlreiche sog. „vernacular languages“ (Stammessprachen)

Hauptstadt: Nairobi

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