konflikt in gaza

Jedes dritte Opfer ist ein Kind

14.01.2009 - Kinder und Frauen leiden besonders hart unter den anhaltenden Kämpfen im Gazastreifen. Jedes dritte Opfer ist ein Kind. Bis zum 13. Januar wurden 952 Menschen im Gazastreifen getötet. Darunter waren 292 Kinder. Unter den 4.260 Verletzten waren 1.497 Kinder und Jugendliche. Nach Angaben der Israelischen Regierung starben durch Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen seit dem 27. Dezember vier israelische Zivilisten und 255 wurden verletzt.

Angesichts der täglich wachsenden Zahl ziviler Opfer appelliert UNICEF eindringlich an die Konfliktparteien, das Blutvergießen zu stoppen und die Zivilbevölkerung aus dem Kreuzfeuer zu nehmen. UNICEF ist besorgt, weil die Versorgung der Bevölkerung im Gazastreifen mit sauberem Wasser, Strom, Nahrung und die medizinische Versorgung stark eingeschränkt sind. Das Risiko von Krankheiten und Epidemien wächst. Die Wasserversorgung für eine halbe Million Menschen ist unterbrochen und die Straßen liegen voller Müll. Die so genannten humanitären Waffenpausen reichen nicht aus, um die Bevölkerung zu versorgen. Kinder- und Babynahrung sind nicht mehr zu bekommen. Viele Kinder stehen unter Schock, sind verängstigt und können nicht mehr schlafen.

Die Hilfsmöglichkeiten für die zehn UNICEF-Mitarbeiter im Gazastreifen sind begrenzt. Trotzdem gelang es ihnen, in den vergangenen drei Tagen 65.000 Flaschen Trinkwasser und Materialien zur Wasseraufbereitung für 5.000 Familien bereitzustellen. Am 10 Januar übergab UNICEF zwei Generatoren, mit denen die Stromversorgung der Blutbank im Gazastreifen aufrechterhalten werden soll. UNICEF stellte auch Medikamente und Hunderte Erste-Hilfe-Sets zur Verfügung. Während der Kampfpausen organisierte UNICEF Treffen mit Hilfsorganisationen, um weitere Hilfsmaßnahmen vorzubereiten.

"Ich wünsche mir, dass der Krieg aufhört"

Reportage von Chris Niles, UNICEF-Korrespondentin in Gaza

Die Kinder in Gaza haben täglich drei Stunden, in denen sie das Haus verlassen können - jedenfalls theoretisch. Die humanitäre Waffenruhe zwischen elf und 14 Uhr wird nicht immer eingehalten. Aber es ist eine wichtige Erleichterung für all die, die Nahrung und Wasser beschaffen müssen oder versuchen, ihr Hab und Gut aus ihren früheren Wohnungen zu retten.

Im Stadtteil Sheikh Radwan klettern Kinder über die Trümmer und suchen nach Habseligkeiten. Sie versuchen zu verstehen, was in den vergangenen zwei Wochen in ihrer Heimat passiert ist. „Ich war bei meinem Opa“, berichtet der zwölfjährige Ehab. „Ich hörte Bombenexplosionen und rannte weg. Ich sah, wie das Haus bombardiert wurde. Die Fenster und die Tür zerbrachen. Alles dort ist zerstört, es gibt kein Haus mehr.“

Die Gewalt nimmt zu

Mit Beginn der Bodenoffensive ist die Situation der Kinder in ganz Gaza ähnlich. UNICEF schätzt, dass 400.000 Menschen in Gaza kein fließendes Wasser mehr haben. Die WHO warnt vor dem nahenden Zusammenbruch des Gesundheitssystems. „Wir haben keinen Strom und kein Gas. Schauen Sie die Stromleitungen an, sie sind alle kaputt“, sagt eine Frau. „ Es gibt kein Wasser … was sollen wir essen? Es gibt keinen Weizen und kein Brot, nichts.“

„Wir brauchen sichere Orte“

So erschreckend die tägliche Gefahr ist – was es für die Kinder noch schlimmer macht ist, dass es kein Entrinnen gibt. Es gibt keine Luftschutzkeller. Und die Grenzen sind geschlossen. UNICEF berichtet dass einige Kinder so unter Schock stehen, dass sie nicht mehr sprechen können.

„Im Moment ist es für Kinder und ihre Familien in Gaza nirgendwo sicher“, sagt Patricia McPhillips, die Leiterin von UNICEF in den besetzten palästinensischen Gebieten. Die Kampfhandlungen müssen aufhören, damit wir dringend benötigtes Trinkwasser, Medikamente und andere lebensrettende Hilfe zu den Kindern bringen können. Und bis die Kämpfe zu Ende sind, brauchen wir in Gaza sichere Orte, um unsere vorbereiteten Hilfsgüter auszuliefern.“

Trotz allem, was Gazas Kinder in den letzten beiden Wochen miterleben mussten – sie hoffen weiter auf eine bessere Zukunft. „Ich wünsche mir so zu leben wie alle Kinder auf der Welt“, sagt der Junge Mahmoud. „Ich wünsche mir, dass der Krieg aufhört und dass wir wieder zur Schule gehen können."

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Kinder in den Trümmern von Gaza (engl.)