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11. Januar 2016 von

Myanmar: Armut und Gold, soweit das Auge reicht

Die Shwedagon Pagode ist das Wahrzeichen Myanmars. Sie ist von oben bis unten vergoldet und mit Diamanten und Juwelen verziert. Foto: Steffen Parth

Die Shwedagon Pagode ist das Wahrzeichen Myanmars. Sie ist von oben bis unten vergoldet und mit Diamanten und Juwelen verziert. Foto: Steffen Parth

Ich hatte zuvor nur ein paar Bilder im Fernsehen gesehen, aber ich wusste sofort, da muss ich irgendwann mal hin: Myanmar. Als es dann tatsächlich so weit war und ich für einige Tage in das südostasiatische Land reisen konnte, wurde ich nicht enttäuscht. Myanmar bietet eine unglaubliche Landschaft, zahllose prächtige Tempel, abenteuerliche Erlebnisse. Und das alles ohne den üblichen Touristentrubel! Besonders faszinierend sind dabei die großen Gegensätze: Wie bei uns laufen in Myanmars quirligen Großstädten überall Leute mit Smartphones herum – auf dem Land hingegen werden die Felder immer noch mit Ochsen gepflügt wie vor Hunderten von Jahren. Egal wohin man schaut, erheben sich riesige goldene Pagoden (also die typischen buddhistischen Tempel) – und dennoch ist das Land von tiefer Armut geprägt.

Militärdiktatur in Myanmar

Traditionelle Palmzuckerherstellung

Noch heute leben die meisten Myanmaren von der Landwirtschaft – viele in großer Armut.

Bis vor kurzem war Myanmar noch vollständig abgeschottet. Eine Militärdiktatur unterdrückte die Bevölkerung. Man konnte weder einfach in das Land einreisen, noch drangen viele Informationen nach außen. Der Rest der Welt bestrafte Myanmar mit Handelsblockaden. Das heißt, Produkte aus Myanmar konnten nicht mehr in anderen Ländern verkauft werden. Auch deshalb zählt Myanmar noch heute zu den ärmsten Ländern der Erde, während andere Staaten in der Region, wie beispielsweise Thailand, in den vergangenen Jahrzehnten kräftig aufholen konnten. Etwa sieben von zehn Myanmaren arbeiten noch immer als Bauern – und das nicht in einer modernen Landwirtschaft mit großen Traktoren und Mähdreschern, sondern mit Ochsen und der bloßen Hand auf ihren kargen, kleinen Feldern. Immerhin hat die Regierung das Land seit 2011 wieder geöffnet und begonnen, eine Demokratie einzuführen. Die Wirtschaft wächst schnell; besonders in den größeren Städten lässt sich dieser Wandel beobachten. Ein offensichtliches Problem ist allerdings noch nicht gelöst: Die massive Kinderarbeit.

Kinderarbeit ist ein großes Problem

Jugendliche Mönche stehen zum Frühstück an.

Kinder und Jugendliche werden von ihren Eltern häufig in buddhistische Klöster wie dieses in Mandalay geschickt. Hier stehen sie gerade für ihr Frühstück an.

Offizielle Zahlen zur Kinderarbeit in Myanmar gibt es natürlich nicht. Beobachten lässt sie sich aber überall. An einem Abend sitze ich vor einem kleinen Restaurant in Mandalay, einer Millionenstadt im Zentrum Myanmars. Getränke und Speisen werden von Kindern serviert, die Erwachsenen kümmern sich um die Bar und die Küche. Später – es ist jetzt schon mindestens zehn Uhr abends – tauchen ein paar Mädchen auf. Ich schätze, dass sie höchstens 15 Jahre alt sind. Dennoch tragen sie hohe Schuhe, kurze Röcke (anstelle der eleganten, farbenfrohen Kleider, die Frauen in Myanmar sonst anhaben) und sind übermäßig geschminkt. Ihr Ziel ist klar: Sie sprechen alle Männer an und versuchen durch ihr Outfit den Verkauf von Parfum anzukurbeln. Kurz darauf laufen einige Kinder im Grundschulalter von Tisch zu Tisch. Auch sie verkaufen etwas, dieses Mal sind es Blütenketten.

Mitarbeiten oder Kloster?

Einige Tage später sitze ich in einem Reisebus zurück in den Süden des Landes, nach Yangon. Mitten in der Nacht, etwa um drei Uhr morgens, halten wir mit zahllosen anderen Nachtbussen an einer riesigen Raststätte. Auch hier arbeiten wieder Kinder – zusammen mit ihren Eltern betreiben sie kleine Stände und bieten Essen und Getränke an. Eine Gruppe von Kindern kommt zu mir, das älteste ist zehn Jahre alt und spricht ein paar Worte Englisch. Das Mädchen erklärt mir, dass sie jede Nacht hier seien, um Essen zu verkaufen. An einen wachen Schulbesuch am nächsten Tag ist da natürlich nicht zu denken. Zuvor hatte mir ein buddhistischer Mönch das Problem etwas ausführlicher erklärt. Viele Familien sind so arm, dass sie nur zwei Möglichkeiten sehen: Entweder helfen ihre Kinder mit, Geld zu verdienen, oder sie werden eine Zeit lang in ein Kloster geschickt. Dort erhalten sie zwar Essen und manchmal etwas Bildung, ein luxuriöses Leben führen sie hier aber auch nicht. Sie teilen sich kleine Unterkünfte und leben der Tradition nach nur von Spenden. Zu essen gibt es häufig nur eine kleine Schüssel Reis morgens, mittags und abends.

Hoffnung auf eine gute Zukunft

Trotz all dieser Schwierigkeiten erscheinen die Menschen in Myanmar optimistisch, es herrscht eine Aufbruchsstimmung. Zurück in Yangon treffe ich einen etwas verrückten Englischlehrer mir rosa Sonnenbrille und langen Haaren. Er nimmt mich mit in seine Schule, in der er Kindern und Jugendlichen privaten Englischunterricht gibt. Alle von ihnen glauben an eine gute Zukunft. Sie erzählen mir, dass sie Lehrer werden wollen, auf einem Schiff arbeiten möchten oder bei großen amerikanischen Unternehmen, die endlich wieder in das Land kommen. Ich wünsche ihnen, dass diese Träume wahr werden – zur Zeit sieht es dafür in Myanmar gar nicht so schlecht aus.

Dieser Beitrag wurde am Montag, den 11. Januar 2016 um 13:56 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Allgemein, Bildung, Kinderarbeit angelegt. Die Kommentare zu diesen Beitrag können durch den RSS 2.0 Feed verfolgt werden.

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