one minutes workshop

Kinder drehen Videos gegen Diskriminierung

02.02.2009 - Vom 2. bis 6. Februar 2009 veranstalten UNICEF, die One Minutes Foundation und die Stiftung Pfennigparade in München einen OneMinutesJr-Workshop. 18 Münchner Kinder und Jugendliche haben dabei die Chance, mit professioneller Hilfe von Video-Trainern ihre eigenen Ideen zum Thema Leben mit Behinderungen zu entwickeln und zu einminütigen Filmen umzusetzen.

Auf dem Papier haben Kinder mit Behinderungen die gleichen Rechte wie alle Kinder, aber im Alltag werden diese Rechte vielfach verletzt. Seit zwei Jahren gibt es erstmals eine UN-Behindertenrechtskonvention – im Frühjahr 2009 soll sie auch in Deutschland in Kraft treten. UNICEF nimmt das zum Anlass, um Kinder mit und ohne Behinderungen selbst zu dem Thema zu Wort kommen zu lassen.

In dem Workshop arbeiten ab dem 02. Februar 18 Kinder und Jugendliche aus den Klassen 5 bis 12 der Münchener Ernst-Barlach-Schule (Stiftung Pfennigparade) intensiv an ihren Filmen. Den ersten Tag des Workshops eröffnen die Trainer Andreas aus Berlin, Rogier aus Amsterdam und Chris aus Bochum mit einer persönlichen Einleitung. Dann geht es direkt ans Thema Leben mit Behinderungen. Von der UN-Behindertenrechtskonvention weiß auf Nachfrage kein einziger der Teilnehmer – Anlass genug, um mit den Videos eine größere Öffentlichkeit zu erreichen.

Aber erst einmal geht es uns Trainern darum, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die zwischen 10 und 20 Jahren alt sind, auf die Anforderungen des Workshops einzustimmen. „Erzählt einfach eure eigenen kleinen Geschichten. Eure persönlichen Eindrücke und Erfahrungen, die ihr hier in der Schule jeden Tag macht. Wie die Türen sich automatisch öffnen, wie jede Etage über Rampen und Aufzüge erreichbar ist. Oder erzählt, was die Schüler mit Behinderungen von den Schülern ohne Behinderungen lernen und andersherum. Ihr seid diejenigen, die diese Geschichten kennen. Erzählt uns einfach, was euch bewegt!“ - Eine relativ klare Ansage an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops und im Laufe des Nachmittags gibt es dann tatsächlich eine Überraschung nach der anderen…

Alex (20) ist in Rumänien geboren und als kleines Kind nach Deutschland gekommen. Er ist der älteste Teilnehmer und besucht die 12. Klasse, spricht Deutsch, Englisch, Rumänisch und Ungarisch. Und Alex sitzt im Rollstuhl. Er hat mehrere gute Ideen für einen Film, und eine davon, die wir mit Sicherheit in Angriff nehmen wollen, ist die mit dem „Rolli-Hockey“. An der Barlach-Schule lernen nämlich auch die Kinder, die nicht im Rollstuhl sitzen, in den Klassen 5 bis 7, wie man sich mit dem Rollstuhl fortbewegt und sogar Sport treibt. Die Wettkämpfe im „Rolli-Hockey“ zwischen behinderten und nicht-behinderten Kinder sind dann immer ein ganz besonderes Kräftemessen – und nicht selten gewinnen dabei die Kinder, die täglich auf ihren „Rolli“ angewiesen sind.

Amadeus (15) ist ein groß gewachsener, gut aussehender Junge, der erheblich älter aussieht, als er wirklich ist. Aber der Schein trügt – und nicht nur, was das Alter betrifft. Amadeus hat eine 60%-ige Behinderung, eine Hüftkrankheit, die ihn in seiner früheren Kindheit sehr eingeschränkt hat, die mittlerweile aber weitestgehend unter Kontrolle ist. Sportarten wie Basketball oder Fußball kann Amadeus nicht machen – Schwimmen ist für ihn eher machbar, da es die Gelenke nicht so belastet. Wer Amadeus auf der Straße sieht, würde niemals denken, dass dieser Junge eine Behinderung hat. Aber, Amadeus weiß sehr wohl, wie es ist, unter einer Behinderung zu leiden, sowohl körperlich als auch geistig. Denn als kleiner Junge wurde er in der Schule oft gehänselt, weil er jahrelang mit Gehhilfen zur Schule gehen musste. In dieser Woche wird Amadeus zurückblicken auf „den Jungen mit den Krücken“.

Elisa (12) sitzt ebenso wie Alex im Rollstuhl. Zudem wird sie mit einem Gerät, das hinten an ihrem Rollstuhl befestigt ist und per Schlauch mit ihrer Nase verbunden ist, beatmet. Elisa erzählt uns von der „Nasenmaus“, die eine Freundin von ihr benutzt. Die Freundin kann die Arme nicht bewegen und daher nicht mit einer normalen Computer-Maus von Webseite zu Webseite surfen. Stattdessen steuert sie mit einer Art Laserpointer, der an ihrer Nase befestigt ist, den Cursor und kann so ganz genauso auf die Informationen im Internet zugreifen wie jeder andere Mensch ohne Behinderungen auch. Schon mal gesehen? Noch nicht? Am Ende der Woche sollte auch dieser OneMinutesJr-Film fertig sein.

"Außerdem beschäftigen wir uns noch damit, wie behinderte Jugendliche shoppen gehen, wieso sie sich nicht für jede kleine Gefälligkeit bedanken müssen (oder etwa doch?) und vielleicht sogar damit, ob es da draußen irgendwo behindertengerechte UFOs gibt", sagt Trainer Chris Schüpp.

Im UNICEF-Blog von Chris Schüpp könnt Ihr weiterlesen und mehr über frühere Workshops erfahren.